Elephanta apes

Mumbai & Pune

Die Reise nach Pune, über Mumbai, kam relativ spontan. Am ersten Tag nach meiner Rückkehr aus der Kolkata-Belly-Hölle (;)) kam Sanjay auf mich zu, ob ich nicht Lust hätte, ihn beim Workshop zu Agrofuels zu begleiten und dort den Fall aus Lalitpur zu präsentieren, den ich ja immerhin selber untersucht hatte? Natürlich wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Westen und das Meer zu sehen, und so hopste ich nur zwei Tage später in den Flieger nach Mumbai. Von dort gings am nächsten Tag weiter nach Pune, wo relativ schnell das (der?) Workshop begann und ich somit wenig Zeit hatte, die Stadt zu sehen. Das/Der Workshop war super spannend, ich habe eine Menge über Jatropha, Pongamia und sonstige Ölpflanzen gelernt, sowie die vielen Themen, die mit Agrofuels verbunden sind, wie Landgrabbing, Wasserprobleme, Umweltprobleme etc.

Das oder der Workshop?

Am letzten Abend hatte ich dann doch noch kurz Zeit, einen kleinen Blick auf die Stadt zu werfen. So wie es mir erklärt wurde, ist Pune so ein bisschen das Florida Indiens: konstantes, warmes aber nicht zu heißes Klima, viele alte Menschen kommen deswegen dorthin…Ist mir aber nicht aufgefallen. Auf dem Bazaar in der Innenstadt wuselte es nur so von jungen Menschen.

Der Bazaar in Punes Altstadt

Ich kam, nach Kokosnusswasser in Kolkata, in den Genuss einer zweiten unbekannten Spezialität, die ich suuper lecker fand – frisch gepresster Zuckerrohrsaft, mit ein wenig Limettensaft versetzt. Ein erfrischendes, gut aber nicht zu süßes Gedicht.

Zur Produktion von Zuckerrohrsaft werden die Rohre einfach maschinell zerhackt und es wird ein wenig Limettensaft hinzugefügt.

Sonst hatte ich nicht viel Zeit und am nächsten Tag gings schon wieder zurück nach Mumbai. Ein Problem, über das ich mich nicht beklagen sollte, war die Hitze. Ich würde sie jederzeit der augenblicklichen Lucknower Kälte vorziehen. Ich habe es u.A. echt geschafft, Anfang Dezember einen leichten Sonnenbrand auf der Stirn zu bekommen.

Pubertierende Mumbaier vor Marine Drive, einem der (Bollywood-)Wahrzeichen der Stadt

Mumbai! Das Tor nach Indien! Die junge, dynamische Stadt! Das Wirtschaftszentrum, das Wachstumszentrum! Bollywood, neue Mittelklasse!
Das sind alles Stichworte, die über die Medien von Mumbai vermittelt werden. Und ja, sicher, ich habe es schon gemerkt. Die Jugend Mumbais ist relativ freizügig. Da wird in der Öffentlichkeit Händchengehalten und sogar geküsst. Die Kleidung ist sehr amerikanisch – die neuesten Jeans oder kurze Baggypants, T-Shirts statt die sonst überall üblichen Hemden, Flip-Flops oder Converse/Chucks usw. Viele Menschen in den Zügen und Taxis scheinen geschäftige Businessleute und junge Unternehmer zu sein. Auch kaufen kann mensch alles – westliche Markenkleidung, internationale Küche, die neuesten Tech-Gadgets usw.

Mumbais sub-urbanes Zugnetzwerk ist das meistbefahrene der Welt. In die zweite Klasse habe ich mich ehrlich gesagt nicht getraut.

Mumbai ist aber genauso die Stadt der Historie, vor allem der europäischen (davor gab es nur ein kleines Fischerdrof), aber auch der neueren indischen. Ich sah u.A. den Gateway of India, gebaut von den Briten als eine Art indischer Arc de Triomphe, nur um dann 1948 der letzte Ort zu sein, den britische Besatzer in Indien betreten haben.

Hier wurde der Sieg des gewaltfreien Wiederstandes symbolisch besiegelt

Insgesamt ist die Architektur ein leicht surrealer Mix aus indisch und europäisch. Ich mochte die Stadt sofort, auch wegen des Meeres. Das war ganz Pipi-warm, und es roch gar nicht nach Meer sondern vor Allem nach Weihrauch. Aber Meer ist Meer, außerdem hatte ich richtig leckeres Pav Bhaji, ein beliebtes Fast-Food Gericht Mumbais. Das Essen war sowieso ein Highlight des kurzen Mumbai-Aufenthaltes: hier ein super leckeres Garnelen-Gassi (ein Gericht der Mangalorischen Küche mit Kokosmilch), serviert mit, Raita, den üblichen Beilagen und Lassi.

Ich würde jederzeit gerne wieder Gassi (essen) gehen. :)

Außerdem bin ich mit dem Boot rüber nach Elephanta getuckert. Elephanta ist eine kleine, grüne, ruhige Insel. Die dortigen Höhlen beherbergen mehrere Skulpturen und Schreine aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. und sind Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Sie sind natürlich auch ein touristischer Magnet, aber das hat mich nicht davon abgehalten, die dortigen Skulpturen zu bewundern. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, was für eine Bedeutung diese Höhlen über 1800 Jahre für ihre Besucher gehabt haben müssen. Und dann kamen die Portugiesen und verwendeten die uralten, heiligen Skulpturen als Ziele für Schießübungen, was teilweise deutlich zu sehen ist. Ein toller Ort, ich hätte gerne mehr Zeit dort verbracht, auch weil es eine Abwechslung von der Hitze und Hektik Mumbais ist.

Elephanta's wichtigste Skulptur, Shiva mit den drei Gesichtern.

Wie bei den Reisen davor hatte ich viel zuwenig Zeit und fuhr zurück zu meinem Couchhost. Der ist vielleicht ein ganz gutes Beispiel für das junge, neue Mumbai: er arbeitet für die Kreativ/Marketingabteilung eines TV-Senders und promotet dessen Filme. Davor hat er dasselbe für Bollywood gemacht. Ein 20-something, mit eigenem Fahrer, der ihn jeden Morgen zur Arbeit fährt. Aber auch in super lockerer und netter Typ, der mir richtig geholfen hat.

Vor dem Gateway of India. Wie mensch sieht, war es heiß.

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